| Markt und Mittelstand
vom 01.06.2007
Viele Unternehmen horten titulierte Forderungen, die sie leicht
zu Geld machen können.
Titulierte Forderungen sind bares Geld wert und 30 Jahre lang
vollstreckbar. Dennoch lassen viele Unternehmen diese Schätze
zwischen Aktendeckeln verstauben, statt sie zu heben.
Von einer titulierten Forderung oder einem Titel ist die Rede,
wenn ein Schuldner per Gerichtsurteil oder Vollstreckungsbefehl
zur Zahlung verpflichtet wird. Da aber kurzfristig oft nichts zu
holen ist, landet der Titel erst in der Ablage, später im Aktenschrank.
Experten schätzen, dass bei Kfz-Versicherern pro Jahr Titel
im Wert von einer Million Euro zusammenkommen. Bei Unternehmen im
produzierenden Gewerbe ist der Gesamtwert der titulierten Forderungen
zwar niedriger. Doch der Wert einer einzelnen unbezahlten Rechnung
ist oft hoch. Die Vollstreckung eines Titels ist jedoch mit Zeitaufwand
verbunden. Daher machen Unternehmer häufig gar nicht mehr den
Versuch, an ihr Geld zu kommen.
Doch wer sich nicht selbst an den verstaubten Aktenberg wagt oder
einen solchen nicht entstehen lassen möchten, kann ein Inkassobüro
mit einer Langzeitüberwachung für titulierte Forderungen
beauftragen. Dabei arbeiten die Büros mit Auskunfteien zusammen,
von denen sie regelmäßig Informationen über Wohnsitzwechsel
der Schuldner sowie Veränderungen ihrer wirtschaftlichen Situation
beziehen.
Im passenden Moment wird gepfändet. Im Erfolgsfall zahlt der
Gläubiger eine Provision, die sich in der Regel auf 35 bis
65 Prozent der eingetriebenen Summe beläuft. Einige Inkassofirmen
arbeiten mit Factoring-Unternehmen zusammen, sodass Gläubiger
ihre Titel auch auf einen Schlag loswerden können. Allerdings
bieten die Ankäufer dafür oft nur geringe Pauschalsummen.
Auskünfte über die Schuldner können Unternehmer
jedoch auch selbst einholen. Über die Internet-Plattform www.dwa-wirtschaftsauskunft.de
ist beispielsweise eine Adressermittlung
möglich.
von Andrea Martens
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